Dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen nach der Sommerpause in ihrer Sitzung im September anpassen wird, ist eine – offiziell unbestätigte – Tatsache. Zwar zeigt sich die Wirtschaft in der EU als ausgesprochen stabil, jedoch bereitet die Teuerungsrate Sorgen. Im Juli betrug sie 2,9 Prozent, 0,9 Prozent über dem angestrebten Ziel von zwei Prozent pro Jahr. Die vermutliche Zinserhöhung ist von den Märkten bereits eingepreist. Die Anleiherenditen legten merklich zu, die Bundesanleihen unseres deutschen Nachbarn touchierten schon das 15-Jahreshoch. Aber welche Ursachen werfen die Frage auf, ob es im Jahr 2026 zwei Zinserhöhungen bei der EZB geben könnte?
Aufschwung erhöht Nachfrage
Tatsächlich gab es im Juli so etwas wie einen wirtschaftlichen Aufschwung. In Deutschland wurde das BIP vom Statistischen Bundesamt von 0,2 auf 0,3 Prozent korrigiert, im Euroraum lag es bei 0,4 Prozent. Getragen wurde der Aufschwung zum einen vom Export, zum anderen aber auch von einer höheren Staatsverschuldung und höheren Staatsausgaben. Mit der erhöhten Nachfrage steigen zwangsläufig auch die Preise. Die österreichische EZB-Direktorin Isabel Schnabel sieht die Inflation, gerade auch vor dem Iran-Konflikt und hohen Energiepreisen, als einen länger anhaltenden Faktor. Zurückhaltung ist in ihren Augen ein Fehler, konsequentes Gegensteuern, und das bedeutet, auch weitere Zinserhöhungen können notwendig werden.
Immobilienkredit Vergleich im September 2026 in Österreich
Lieber zwei kleine Schritte als einen großen
Es wird erwartet, dass die Zinsanpassung im September 2026 erneut 0,25 Prozent beträgt und den Leitzins damit auf 2,75 Prozent anhebt. Experten erwarten dann für den Herbst eine Phase des Abwartens hinsichtlich der Inflationsentwicklung, um dann gegebenenfalls im Dezember noch einmal nachzulegen. Das ECB Watch-Tool sieht dieses Szenario bei einer Wahrscheinlichkeit von 50,2 Prozent.
Dies erscheint sinnvoller, als im September gleich mit einer Anpassung um 0,5 Prozent eine konjunkturelle Vollbremsung zu vollführen. Einige Insider vermuten sogar, dass eine zweite Anpassung noch in diesem Jahr dazu dienen soll, den Zinssatz im nächsten Jahr wieder, quasi symbolhaft, zu senken.
Der Schlüssel zur EZB-Entscheidung liegt nach wie vor auf dem Grund der Straße von Hormus. Je länger der dortige Konflikt anhält, desto größer ist das Risiko steigender Öl- und Gaspreise und damit einer steigenden Inflation.


