Über die Höhe der Zinsen für Kredite und Geldanlagen wird in jedem Jahr im Januar neu diskutiert. Was können Kreditnehmer und Anleger von der Europäischen Zentralbank erwarten? Wie ist es um die Inflation bestellt, wie um den Warenkorb, an dem die Inflation gemessen wird? Welche Faktoren beeinflussen die Zinsen noch? Auch im Jahr 2026 stellen sich mögliche Immobilienkäufer die Frage nach den Zinsen für Baukredite und Sparer überlegen ob Tagesgeld oder Festgeld die bessere Alternative ist. Was erwartet uns in 2026?
Inflation auf Ideallinie
Die Inflation im Euro-Raum befindet sich auf Ideallinie. Im Januar 2026 war sie gegenüber Januar 2025 um 1,7 Prozent gestiegen, lag damit unter den von der EZB angestreben zwei Prozent. Auch das Sorgenkind bei der Inflation, der Dienstleistungssektor, zeigt einen positiven Trend. Hier fiel die Teuerungsrate von 3,4 Prozent im Dezember 2025 auf 3,2 Prozent im Januar 2026. Unterstützung erhielt die sinkende Inflationsrate auch durch die Energiepreise. Strom und Gas verbilligten sich seit Jahresbeginn um 4,1 Prozent. Alles in allem stehen die Zeichen in Europa auf Ideallinie. Anders sieht es in den USA aus.
Ein weiterer Pluspunkt, der für eine Stabilisierung der Inflationsrate auf dem aktuellen Niveau spricht, ist die Dollarschwäche. Der Euro hat gegenüber dem Dollar auf zwischenzeitlich 1,20 Euro zugelegt. Das senkt natürlich die Preise für Importe aus den USA und für Rohöl signifikant. Hintergrund ist das wachsende Misstrauen gegenüber der US-Politik in allen Bereichen.

Quelle: Finanzen.net, 5.2.2026
Theoretisch spricht nun einiges dafür, dass die EZB den Leitzins ( siehe EZB Leitzins Prognose 2026 )im im Laufe des Jahres 2026 senken wird. Ob dies allerdings schon bei der März-Sitzung des Zentralbankrat der Fall sein wird, bleibt abzuwarten und hängt auch von der weiteren (ökonomischen) Entwicklung in den USA und den aktuellen geopolitischen Brandherden ab.
Trump will Zinssenkung trotz Preisanstieg in den USA
Donald Trump, der in allen Bereichen völlig irrational agierende aktuelle Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, setzt um jeden Preis auf eine Zinssenkung. Den amtierenen Präsidenten der US-Notenbank FED, Jerome Powell, wollte er schon aus dem Amt klagen, weil sich dieser vehement einer Zinssenkung widersetzt. Dabei erhält er durchaus Rückenstärkung von den anderen Mitgliedern der Notenbank. Immerhin lag die Inflationsrate in den USA im Dezember 2025 mit 2,7 Prozent deutlich über den Werten der Eurozone.
Der aktuelle Leitzins in Europa beträgt 2,15 Prozent. In den USA fiel er seit August 2025 von 4,5 Prozent auf 3,75 Prozent im Januar 2026 (Quelle: oenb.at).
Wie stehen die Chancen auf eine Zinssenkung in Europa?
Die “Bank Lending Survey” (BLS), eine Umfrage unter den Banken bezüglich der Kreditvergabe, lässt aktuell keinen Schluss zu, dass eine Zinssenkung in Europa notwendig wäre. Das Geschäft mit dem Geld verläuft aktuell völlig unaufgeregt. Zwar treffen Unternehmen schon einmal auf einen Finanzierungsengpas, im privaten Immobiliensegment haben die Banken dagegen bei steigender Nachfrage die Vergaberegeln gelockert, bei Konsumentenkrediten gibt es keine einschneidenden Veränderungen.
Lockerung beim Baugeld – wichtig für Baugewerbe und Immobilienerwerber in Österreich
Das Ergebnis der BLS kann gerade für den Immobilienmarkt in Österreich wichtig sein. Obwohl die KIM-Verordnung ausgelaufen ist, hielten viele Banken zunächst noch weiter an den ehemals staatlichen Vorgaben fest.
Das Ergebnis der BLS signalisiert allerdings, dass auch die Banken hierzulande Immobilienkredite in Österreich wieder leichter zugänglich machen. Das bedeutet in der Folge nicht nur ein Wiedererstarken des Baugewerbes, welches aktuell noch auf staatliche Unterstützung, direkt und indirekt, angewiesen ist. Der Markt für vermietete Immobilien in Österreich könnte auch wieder eine leichte Entspannung erfahren, wenn wieder mehr Interessenten die Chance erhalten, Immobilien in Österreich zu kaufen.
Die aktuelle Politik der EZB sieht keine Umkehr zu einer Politik des knappen Geldes vor. Potentielle Käufer sollten sich aber auch nicht darauf verlassen, dass eine baldige Zinssenkung ins Haus steht. Selbst wenn der März oder der April einen Leitzins von 1,75 Prozent bringen würden, sozusagen als Ostergeschenk, würde es eine Weile dauern, bis das Baugeld die niedrigeren Zinsen wieder einpreist. Banken tendieren nun einmal dazu, auf der Aktiv-Seite die Zinsen schneller zu erhöhen als auf der Passiv-Seite und bei Zinssenkungen umgekehrt zu verfahren.
Die Lockerungen der Kreditvergabe für Hauskredite kann allerdings noch einen anderen Seiteneffekt haben. Mit steigender Anzahl möglicher Baufinanzierungen steigt natürlich auch die Zahl der möglichen Käufer. Und eine steigende Nachfrage hat in der Regel auch immer steigende Preise zur Folge. Mögliche niedrigere Zinsen bedeuten dann, damit einen höheren Kaufpreis zu bezahlen.
Dieser wiederum liesse sich durch ein höheres Eigenkapital für den Immobilienkauf ausgleichen. Gezielte Informationen zum Thema Baufinanzierung mit und Baufinanzierung ohne Eigenkapital in Österreich finden Sie in unserem speziellen Beitrag dafür.
