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ÖNB-Chef Dr. Martin Kocher schließt Zinserhöhung nicht aus

Die letzte Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) vor der Sommerpause im Juli 2026 endete ohne eine erneute Zinsentscheidung. Der Juni und Juli zeigten zwar immer noch leicht volatile Tendenzen bei der Inflationsrate. Das fast stabile Preisniveau bei Rohöl und Gas machte eine erneute Entscheidung jedoch unnötig. Dennoch bezog der Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, ÖNB, Dr. Martin Kocher, eine klare Position.

Möglicher Zinsanstieg im September

Kocher zeigt zwar deutlich auf, dass die EZB für alle Szenarien die notwendigen Stellschrauben bedienen kann, legt sich aber dennoch vorsichtig auf eine Richtung fest. Grund für eine möglicherweise weiter ansteigende Inflation ist klar der Krieg am Golf. Die Sperrung der Straße von Hormus und die von den Huthis angekündigte Sperre der Zufahrt zum Suez-Kanal wirken sich in erster Linie auf die Öl- und Gaslieferungen aus, aber auch auf die restliche Handelsschiffahrt.

Für die ÖNB liegt der Schlüssel in der Dauer des Konfliktes. Je eher er beendet wird, um so schneller “beruhigen” sich die Märkte wieder, die Preise und damit die Inflation tendieren in Richtung “normal”. Im Umkehrschluss bedeutet eine längere Kriegsdauer weiter steigende Rohölpreise und damit eine weitere Steigerung der Geldentwertung.

Donald Trump kämpft nicht nur gegen den Iran, sondern auch gegen seine eigenen Versprechen, Benzin bezahlbar zu halten. Vor dem Hintergrund der anstehenden Midterms ist der Anstieg des Benzinpreises im Juli auf über vier US-Dollar je Gallone Gift für seine Wahlambitionen. Eine Niederlage bei den Midterms kann aber bedeuten, so der Krieg bis dahin noch andauert, dass die Demokraten den Präsidenten zu einem Einlenken gegenüber dem Iran zwingen. Weltweit wieder sinkende Preise wären der positive Effekt.

Nicht nur Dr. Kocher vertritt die Position des Abwartens und Abwägens. Sein deutscher Kollege, Joachim Nagel, vertritt die gleiche Position und steht damit im Widerspruch zu der deutschen EZB-Direktorin Isabel Schnabel und dem finnischen Notenbankchef Olli Rehn. Diese hatten sich für zeitnahe Zinserhöhungen noch vor der Sommerpause stark gemacht.

Zur Erinnerung: Zinserhöhungen dämpfen die Kredit- und damit die Konsumnachfrage, was wiederum zu Preissenkungen führt.

Was bedeutet die Debatte für österreichische Kreditnehmer?

Stärker als mögliche Käufer einer Immobilie in Österreich sind potenzielle Bauherren betroffen. Ein Anstieg der Ölpreise führt unweigerlich zu einem Anstieg der Baukosten, da Rohöl in zahlreichen Bauelementen als Grundlage enthalten ist. Steigende Baukosten wiederum bedeuten steigenden Fremdmittelbedarf bei gleichzeitig steigenden Zinsen. Die Situation für Bauherren ist in der zweiten Jahreshälfte 2026 schlichtweg rundherum verfahren, sofern sich am Golf keine Lösung abzeichnet.

Wie können österreichische Kreditnehmer bei einem Hauskredit in Österreich gegensteuern?

Das Schlüsselwort heißt “Kreditvergleich”. Vergleichen, vergleichen, vergleichen lautet die Losung der Stunde. Wie das Kaninchen vor der Schlange, in dem Fall vor der EZB,  zu sitzen und abzuwarten, welche Entscheidung der Zentralbankrat im September trifft, macht die Situation von Bauherren und Immobilienerwerbern nicht besser.

Zum einen müssen diese nicht nur die Konditionen der einzelnen  Banken in einem Kreditvergleich gegenüberstellen. Es gilt auch, später die richtige Kombination zwischen Fixzins-Darlehen als Sicherheit und einem Darlehen mit variablen Zinsen als Instrument für flexible Entscheidungen zu finden. Erst wenn ein weiterer Zinsanstieg ausgeschlossen werden kann, sollte der Schwerpunkt auf Fixzinsdarlehen liegen. Solange niemand voraussagen kann, wie sich die Lage am Golf und damit die Inflation und daraus abgeleitet die Leitzinsen entwickeln, ist Flexibilität der Schlüssel zum Erfolg. Hier geht es den Immobilienerwerbern nicht anders als Dr. Martin Kocher und seinen Kollegen, die sagen, alle Optionen offen halten.

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