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Europäische Zentralbank stellt weitere Zinserhöhungen in Aussicht

Das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) Isabel Schnabel schließt nach der ersten Zinserhöhung im Juni 2026 seit 2023 weitere Zinskorrekturen nach oben nicht aus. Seit Juni 2024 fielen die Zinsen von damals 4,25 Prozent pro Jahr kontinuierlich auf 2,15 Prozent pro Jahr im Juni 2025.

Energiekosten Preistreiber Nummer eins

Laut Schnabel bewegt sich die Inflationsrate der Eurozone im Mai 2026 mit 3,2 Prozent zu weit oberhalb der Zielgröße von zwei Prozent jährlich, als dass dies ignoriert werden könnte. Auch wenn die aktuelle Lohnpolitik nicht dazu führt, dass die Konsumenten überdurchschnittlich viel Geld für den Konsum zur Verfügung haben, sind es die geopolitischen Auswirkungen, welche die Preise steigen lassen. Nach wie vor wirken sich der Ukrainekrieg und die Auseinandersetzung am Persischen Golf gerade bei Gas und Öl als Preistreiber aus. Lag der Barrel Brent-Öl Corona bedingt im Jahr 2020 unter 20 U-$, stieg der Preis im März 2026 auf über 100 US-$ je Barrel und fiel bis zum Sommer 2026 auf 75 US-$.

Die Betrachtung der EZB hinsichtlich der Energiekosten beziehen sich dabei nicht auf den jetzigen Zeitpunkt sondern kombinieren den Stand heute mit möglichen Kostenentwicklungen in der Zukunft. Auf der Grundlage dieses Kalkulationsmix ziehen die Verantwortlichen dann ihre Schlüsse für künftige Zinsentscheidungen.

Konjunkturbelebung oder Inflationsbremse

Die Situation im Sommer 2026 zeigt geradezu lehrbuchhaft die klassische Zwickmühle, in der sich die EZB befindet, auf.

Die Konjunkuter in der Eurozone schwächelt. Neben den Kriegsschauplätzen trägt auch die wirre US-Handelspolitik ihren Teil dazu bei, dass feste Planungen kaum möglich sind und damit Produktivitätseinschränkungen die Folge.

Deutschland zeigt ein anderes Dilemma. Die ehemalige Wirtschaftstrieblok in Europa hat über Jahre zugesehen, wie ihre Schlüsselindustrien Stahl und Autos an Bedeutung verloren. Bei VW geht im Juni 2026 das Gerücht, dass vier Werke geschlossen werden und 50 – 100.000 Mitarbeiter entlassen werden sollen. Chinesische E-Autos haben die deutsche Autoindustrie klassisch überrollt. Alternative Industrien zu fördern und auszubauen wurde versäumt, was bleibt, ist ein sinkendes Wirtschaftswachstum.

Wohnungsbau – das beste Beispiel für den geldpolitischen Widerspruch

Bekanntermaßen sind Zinssenkungen das Werkzeug der Notenbanker, um die Wirtschaft anzukurbeln. In der aktuellen Situation wäre dies also notwendig. Auf der anderen Seite sorgen beispielsweise steigende Preise für praktisch alle Materialien, die für den Wohnungsbau benötigt werden, zu einem Stillstand in der Bauwirtschaft – Neubauten werden zunehmend unbezahlbar. Der Preisanstieg muss auf diesem Sektor unter allen Umständen gebremst werden. Im Umkehrschluss werden durch die Leitzinserhöhung jedoch die Zinsen für Hypotheken teurer – für den potenziellen Bauherrn die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub.

Das Ende des Irankrieges könnte Entspannung bedeuten

Schnabel äußerte im Interview gegenüber n-tv die Hoffnung, dass das Ende des Irankrieges durchaus positive konjunkturelle Auswirkungen zeigen könnte. Außerdem wies sie darauf hin, dass eine Erhöhung der Leitzinsen um 0,25 Prozent auf 2,4 Prozent noch weit davon entfernt sei, echte restriktive Auswirkungen auf die Wirtschaft zu haben. Es bleibt die Frage für Europa, welchen Unsinn sich Donald Trump als nächstes ausdenkt. Seit dem 26. Juni 2026 geistern pauschale Strafzölle in Höhe von 100 Prozent für Europas Waren durch Washington – als Antwort auf eine mögliche Digitalsteuer.

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