Mit Spannung erwarten viele die anstehende Zentralbankratssitzung der Europäischen Zentralbank am 23. Juli 2026. Es steht die Frage im Raum, ob die Ratsmitglieder wieder an der Zinsschraube drehen oder der Empfehlung des Chefs der Deutschen Bundesbank, Joachim Nagel, folgen und keine Änderungen vornehmen. Nach Einschätzung von Nagel bewege sich der letztmalig im Juni angepasst Leitzins auf einem marktgerechten Niveau, welches alle Aspekte einpreist. Es gibt durchaus Gründe, welche die Vermutung nahelegen, dass über eine weitere Zinserhöhung erst nach der Sommerpause nachgedacht wird.
Irakkrieg wirkt sich am stärksten aus
Zinserhöhungen stehen zur Diskussion, wenn die Inflation deutlich über die anstrebten zwei Prozent im Jahr hinausgeht. Immerhin fiel die Preissteigerungsrate von 3,3 Prozent im Mai 2026 auf 2,9 Prozent im Folgemonat Juni (Eurostat). Nach dem die Willenserklärung der Kriegsparteien USA und Iran, Lösungswege für einen dauerhaften Frieden nach nur wenigen Tagen wieder aufgekündigt wurde, bleibt tatsächlich die Straße von Hormus als Inflationsbringer Thema Nummer eins. Noch kritischer wird es, wenn die Huthi-Rebellen im Sudan die Zufahrt zum Suezkanal, wie angekündigt, blockieren. Dies hätte zwei Effekte:
- Der Umweg über Kap Horn, einmal rund um Afrika, würde einen deutlichen Zeitverlust bedeuten, die Lieferketten zunächst verlangsamen und damit zu einer Verknappung an Waren und Rohstoffen führen. Preissteigerungen sind die Folge.
- Der Umweg über Kap Horn bedeutet einen deutlich höheren Treibstoffverbrauch pro Schiffsladung. Die Mehrkosten werden von den Reedern aufgeschlagen und von deren Kunden an die Verbraucher weitergegeben. Auch in diesem Fall kommt es zu deutlichen Verteuerungen.
Es ist also nachvollziehbar, dass die EZB die Lage am Golf mit besonderem Augenmerk verfolgt. Österreichs Notenbankchef Martin Kocher sieht die Situation aber durchaus mit einer gewissen Gelassenheit. Noch seien die Umstände so, dass den Verantwortlichen genügend Spielraum und Handlungsraum bleibt um agieren und nicht nur reagieren zu können (boersen-zeitung.de).
Auswirkungen für Baukredite in Österreich
Bekanntermaßen geben die Banken Zinserhöhungen zuerst an Kreditnehmer weiter, Sparer profitieren erst nachgelagert von gestiegenen Zinsen. Für Bau- oder Erwerbsinteressierte stellt sich folglich die Frage, wie sie mit der aktuell volatilen SItuation, kurfzfristige Zinserhöhung ja oder nein, umgehen sollen.
Die Angst vor einer weiteren Zinsanpassung durch die EZB sollte beim Erwerb einer Bestandsimmobilie auf keinen Fall zu einer überstürtzten Kaufentscheidung für die “zweitbeste” Wohnlösung sein, um eventuell steigenden Bauzinsen zu entgehen.
Schauen wir zunächst auf die Entwicklung der Zinsen in der Vergangenheit bis Mai 2026 um diese mit den aktuellen Sätzen zu vergleichen:

Quelle: ÖNB
Ein Zinsvergleich zeigt, dass im Juli 2026 die variablen Zinsen für ein Darlehen in Höhe von 250.000 Euro bei 3,04 Prozent p.a. liegen, für ein Fixzinsdarlehen mit zehnjähriger Bindung 3,19 Prozent. Gegenüber Mai zeigt sich somit sogar ein Rückgang, trotz der Leitzinsanpassung im Juni 2026.
Für Wohnkredite in Österreich gilt also in erster Linie, Zinsvergleiche zu nutzen und die aktuellen Angebote zu vergleichen, ohne die möglichen Entscheidungen der EZB größer zu berücksichtigen. Die Veränderungen fallen bei einem erneuten Anstieg des Leitzinses von 0,25 Prozent p.a. für Kreditnehmer eher marginal aus.
Schwerwiegender treffen mögliche Bauherren allerdings die aktuellen Preissteigerungen bei Baumaterialien. Rohöl als Basis für zahlreiche Materialien ist aus dem Hausbau nicht wegzudenken. Neubauten sollten generell sowohl bezüglich der gestiegenen Gestehungskosten, als auch im Blick auf den daraus resultierenden erhöhten Fremdmittelbedarf mit höherer monatlicher Baukreditrate mit sehr spitzer Feder kalkuliert werden.
Variabler Zins oder Fixdarlehen?
Eine weitere Frage ist, ob Nutzer eines Darlehens mit variablen Zins jetzt auf ein Fixdarlehen umschwenken sollten. Auch in diesem Fall kann die Empfehlung nur lauten, über unseren Kreditvergleich zu prüfen, wie hoch die mögliche Mehrbelastung ausfallen wird. Es ist nicht auszuschließen, dass ein heute gültiger Fixzins gegenüber einem variablen Zins nach der nächsten Anpassung durch die EZB die günstigere Lösung sein kann.
